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Sport und Wirbelsäule

Einige die Wirbelsäule besonders belastende Sportarten sind in unten stehender Tabelle zusammengestellt. Verantwortlich für die entstehenden Schäden sind insbesondere die trommelfeuerartig auf die Wirbelsäule stereotyp einwirkenden Trainingsstöße, wie sie vor allem in Kunstturnarten vorkommen:

• Vor-Seit-Rückbeugen, oft mit überbetonter Lendenlordose,
• kurzdauernde, aber rasch wiederholte axiale Lasten, wie Stauchen, bei Sprüngen, Überschläge bei Hand-Fußstand-Wechsel,
• vielfältige Figurengemische mit kraftvollen Torsionen.

Leitsatz: Die Leistungsgrenzen für Sport-spezifisches Belasten sind weniger im Bereich der Herz-Kreislauf-Funktionen und der Atmungsorgane zu suchen, als vielmehr in den Toleranzgrenzen der bradytrophen Gewebe des Stütz- und Bewegsystems (hyaliner Knorpel der Gelenke, Gewebearten der Zwischenwirbelscheiben).

Für die Wirbelsäule besonders belastende Sportarten:

Basketball, Ringen, Bodenturnen, Rollkunstlauf, Delphinschwimmen, Rudern, Dreisprung, Slalom-Skisport, Eiskunstlauf, Trampolinspringen, Gewichtheben, Turmspringen, Geräteturnen, Wettkampfgymnastik, Judo, Wettkampfskilauf, Kunstturnen, Wurfsportarten, Radsport


Kraftsport:

Der Kraftsport, bei dem das Heben verschieden schwerer Gewichte die wesentliche Rolle spielt, sollte als Ergänzungssport oder als Begleittraining eingesetzt werden.

Denn das Hochleistungsgewichtheben bürdet dem Rückgrat eine Lastfülle an der Grenze der Belastbarkeit auf und kann sogar Schaden stiften .
Zweifellos bringt die Hantelarbeit ein ausgezeichnetes Anfangs- und Konditionstraining für viele Sportdisziplinen zur Kräftigung der Nacken-Schulter-Muskulatur mit Übergang auf die Rücken-, Brust- und Bauchmuskeln sowie der Beinmuskeln. Das ist in flacher Rückenlage oder in Schräglage durchzuführen. Gewichtheben Die Ansichten über Schäden an der Wirbelsäule beim Gewichtheben sind nicht einheitlich.

Der bei richtiger Technik ausgeübte senkrechte Druck auf die Bandscheiben wird schadensfrei vertragen, da experimentell eine Bandscheibe bis zu 1500 kg Druck aushält. Die schadensfreie Drucktoleranz vermindert sich bei starkem Vorbeugen und Drehen auf 500 kp, bei Lordose auf 100 kp. Die Gewichtheber können durch Anspannen der Bauchdecke und Anhalten der Atemluft die Bauch- und die Brusthöhle als Hilfstrageorgane der Wirbelsäule einschalten. Zusätzlich wird das Tragen von stützenden Hüftgürteln oder Kreuzstützmiedern empfohlen.

Gewichtheber beobachten oft schmerzhafte hexenschußartige Beschwerden. Solche Lumbagoanfälle beruhen nach heutiger Meinung auf einer Incarceratio intradiscalis oder intraarticularis. Die Ursache wird in der Erschöpfung der Muskelkraft und der Bänderelastizität infolge unsauberer Hebetechnik gesehen. Dadurch entwickeln sich überstarke Schubkräfte im Lenden-Kreuzbein-Übergang mit erhöhter Gefahr des Überschreitens der für die Zwischenwirbelscheibe gesetzten Toleranzgrenze.

Das Auftreten neuer oder das Verstärken vorhandener Bandscheibeschäden ist damit gegeben. Der Sportarzt sollte sich sofort der Behandlung dieser Schmerzanfälle annehmen, die häufig von Arthrosen der Wirbelbogengelenke oder der Iliosakralgelenke ausgehen. Ein Drehen (oft ungewollt während der Übung) unter dem Druck des Hebens belastet in besonders ungünstiger Weise den Lenden-Becken-Hüftübergang und verursacht Blockaden im Iliosakralgelenk.

Aerobic bedarf in bezug auf die vom Rückgrat häufig ausgehenden Leiden einiger Zurückhaltung. Jedenfalls sollten sich nur Jugendliche und wirbelsäulengesunde Menschen daran beteiligen. Wenn die gymnastischen Übungen, die bei Aerobic in schneller Folge und nach einer dem persönlichen Leistungszustand der Wirbelsäule nicht angepassten Musik verlangt werden, Schmerzen am Rücken oder Ausstrahlschmerzen hervorrufen, dann ist es nötig, die weitere Teilnahme solange einzustellen, bis ein Arzt die Schmerzzustände geklärt hat. Besteht am Rückgrat physiologischer oder vorzeitiger Verschleiß von Zwischenwirbelscheiben, wird es Zeit, eine entsprechende Therapie durchzuführen.
Ihre Aufgabe ist das Wiederherstellen eines kräftigen statisch-dynamischen Muskel-Bänder-Korsettes. Bevor dies nicht erreicht ist, kann Wiederaufnahme des Aerobic die Schäden am Rückgrat verschlimmern.

Spondylolyse / Spondylolisthese In den letzten Jahzehnten sind bei Hochleistungssportlern Spondylolysen und Spondylolisthesen gehäuft festgestellt worden. Die im Schrifttum genannten Prozentzahlen überschreiten in bestimmten Sportarten die Häufigkeit dieser Schäden, die bei der europäischen Durchschnittsbevölkerung 5-7 % betragen , ganz beträchtlich. Vermehrtes Auftreten von Schäden im Knochenaufbau der Zwischengelenkstücke, der paarigen Schicksalsstelle des Wirbelbogens, zum Teil Spondylolysen und deren Vorstufen, zum Teil Spondylolisthesen mit mehr oder weniger starkem Vorgleiten, besteht bei Wasserspringern, Trampolinspringern, Geräte- und Bodenturnern, Speerwerfern, Gewichthebern, Ringern, amerikanischem Fußball u.a.

In einer Untersuchungsreihe von 160 Sportlern und Zirkusakrobaten (1973) wurden 81 Spondylolysen festgestellt: 50%! Als Ursache wird unter anderem die ,,Rolle rückwärts" angeschuldigt. In der Sammelstatistik von 1974 wird das Wirbelgleiten mit 16 % (24 Turner), 29 % (17 Turmspringer) und 100 % (20 Spitzensportler) festgestellt.
Diese von verschiedenen Untersuchern ermittelten Zahlen über die Häufigkeit der Spondylolyse/Spondylolisthese bei Sportlern sind weit höher als die für Erwachsene in Europa vorliegenden Durchschnittszahlen: 5-7 % nach Junghanns. Für Kinder liegen noch wesentlich geringere Zahlen vor.

Ebenfalls 2 % fanden sich bei 350 Untertagsarbeitern. Für Erwachsene im europäischen Raum geben Roick u. Albrecht (1973) 5-7 % Spondylolisthesen an. Die Häufigkeit der Spondylolysis/Spondylolisthesis liegt bei den Sportler/innen viermal höher als bei einer Vergleichsgruppe ohne sportliches Training. Besondere Gefährdung bringen die ständig wiederholten Hyperlordosen z.B. bei Boden- und Geräteturnen, Wettkampfgymnastik, Turmspringen.

Vor allem Rückbeugen mit Drehen und Seitneigen gefährden den unteren Lendenteil und den Lenden-Kreuzbein-Übergang. Viele Sportarten verlangen einen solchen Bewegungsablauf unter oft übermäßiger Anspannung der langen Rückenstrecker und noch mit einer abschließenden, raschen, höchsten Spannkraft, zum Beispiel bei kraftvollen Abwürfen oder Abschlägen. Das gilt für folgende Sportdisziplinen: Diskuswerfen und Hammerwerfen, Kugelstoßen, Speerwerfen. In einem gewissen Grade sind die Belastungen in der Lenden-Kreuzbein-Gegend ähnlich bei Golf und bei den Racket-Sportarten.