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Rückenschmerz

In der EG wurde 1986 eine Untersuchung zur Bedeutung der Arbeitsplatzbedingungen für das Auftreten von Affektionen des unteren Rückens durchgeführt. Als Schlussfolgerung ergab sich, dass 70% der unteren Rückenbeschwerden durch die Arbeitsplatzbedingungen hervorgerufen oder verschlimmert wurden. Als wichtigste Ursachen für die Erkrankungen des unteren Rückens wurden verschiedene mechanische Belastungstypen definiert. Wenngleich die kausalen Zusammenhänge noch nicht endgültig gesichert sind, führt man für die unteren Rückenbeschwerden sechs berufliche Risikofaktoren an:


schwere körperliche Arbeit
statische Arbeitshaltung
häufiges Beugen und Drehen
Heben und plötzliches, kräftiges Anspannen
sich wiederholende Arbeitsabläufe
mechanische Schwingungen

Während früher allgemein schweres Heben in vornüber gebückter Haltung als Ursache für tiefe Kreuzschmerzen angesehen wurde, weist heute vieles auf die schädlichen Folgen ungünstiger, statischer Belastungen aufgrund arbeitsbedingter, fixierter und unphysiologischer Körperhaltungen hin. Dabei unterscheiden wir zwischen Sitzen (Stühle, Arbeitsfläche), Stehen (Bücken, Heben), Gehen (Schuhwerk), Liegen (Krankenhausbett).

Das Sitzen auf Stühlen ist keine Selbstverständlichkeit; auch heute sitzen viele Völker in der Hocke, auf den Knien oder auf dem Boden. Viele Bürostühle sind zu beanstanden. Anzunehmen ist, dass sich auch im häuslichen Bereich mehr schlechte als gute Stühle befinden. Vielfach genügen die unterstützenden Flächen (Armlehne, Rückenlehne, Sitzfläche), die eine optimale Haltung bei minimaler Muskelaktivität (passives Sitzen) gewährleisten sollen, nicht den Anforderungen der Biomechanik.

Durch die richtige Unterstützung der Arme wird der Schultergürtel und damit die Halswirbelsäule entlastet. Die Höhe der Armlehnen muss der Höhe der Ellenbogen bei schräg herabhängenden Armen entsprechen. Dies gilt ebenso für die Höhe von Tischflächen. Ohne Armlehnen verschränkt man die Arme vor der Brust, legt sie auf den Tisch oder krümmt den Rücken und legt die Arme in den Schoß. Im Auto stützt man häufig einen Arm auf den unteren Fensterrahmen oder legt ihn auf die Rückenlehne des Nebensitzes.

Selten sieht man bei längeren Fahren beide Hände am Steuer. Gerades Sitzen ohne Rückenlehne ist bekanntermaßen ermüdend und führt nach einer gewissen Zeit zum Einsacken des Rumpfes und zur Kyphosierung der Lendenwirbelsäule. Unter der Voraussetzung, dass die Unterstützung im Lordosebereich zwischen dem oberen Beckenrand und den Schulterblättern angreift, besteht der Vorteil einer Rückenlehne darin, dass sie die Wirbelsäule soweit möglich in der S-Form hält.

Eine 5 cm eindrückbare Sitzfläche bietet den Sitzbeinhöckern, die das Gewicht des Kopfes, des Rumpfes und der Arme tragen müssen, ausreichende Federung. Da das Gewicht der Beine durch die Füße getragen wird, braucht eine Sitzfläche nur einige Dezimeter tief zu sein, jedoch haben die meisten Sitzflächen in geraden Stühlen für Erwachsene eine Tiefe von 42 cm, da der Druck auf die Oberschenkel mehr Stabilität gibt und man auch zur Abwechslung tiefer sitzen kann. Jeder gute Sitz muss einfache Änderungen der Sitzstellung ermöglichen.

Aus diesen Gründen sind schalenförmige Sitze und Rückenlehnen, die den Körper seiner anatomischen Form entsprechend eng umschließen (möglichst große tragende Kontaktfläche) nur für Schwerbehinderte angezeigt. Ist die Sitzfläche glatt, dann gleitet man unten weg. Dadurch verkantet sich das Becken nach hinten, was zum ,,sakralen Sitzen" führt.

Die einzig richtige Lösung liegt in einer Krümmung oder Neigung der Sitzfläche. Darum sind normale Stühle und Autositze unterschiedlich geneigt.
Die Höhe des Sitzes muss der Unterschenkellänge entsprechen. Sie soll nicht höher sein, da sonst ein übermäßiger Druck auf die Schenkel entsteht (insbesondere auf Blutgefäße und Nerven). Es kommt dann zum Auftreten ,,eingeschlafener Beine", auch weil dann ein einfaches Wechseln der Sitzposition nicht mehr möglich ist.

Die Stuhlform ist wichtig für die richtige Sitzhaltung. Beim Lesen, Schreiben und Zeichnen ist dagegen die Blickrichtung von maßgeblicher Bedeutung für die Kopfstellung und damit für die Stellung und Krümmung des Rückens. Gerades Sitzen und dabei lesen erfordert einen hinderlichen Knick der Halswirbelsäule bei gleichzeitig zu großem Leseabstand. Deshalb beugt man sich meist nach vorne über, was langfristig zu Anteflexionskopfschmerzen (Schulkopfschmerz), Konzentrationsschwäche, Schwindel, Ermüdung, Rücken-Nacken-Beschwerden und Atmungsbehinderung führt.

Ein Schrägstellen der Arbeitsfläche wirkt dem entgegen.
Regelmäßiges Spazierengehen wird als Maßnahme zur Prävention von Rückenbeschwerden angesehen. Die günstige Belastung macht das Gehen dann auch zur Therapie für Rückenpatienten.

Das Tragen schwerer Kleidung und das Gehen auf hartem Untergrund (Asphalt oder Beton) ohne federnde Gummisohlen können sich ungünstig auswirken. In diesem Fall erfährt der Körper bei jedem Aufsetzen der Ferse einen Stoß, der sich nach oben fortsetzt und im Bereich der Wirbelsäule und sogar des Kopfes noch genügend Energie besitzt, um Beschwerden hervorzurufen. Durch eine als Feder wirkende Gummisohle wird die bewegte Masse des Fußes und der höher gelegenen Körperteile verzögert abgebremst, wodurch die zwischen Fuß und Untergrund wirksamen Kräfte oft mehr als halbiert werden. Andere Beziehungen zwischen Schuhwerk und Rückenbeschwerden konnten (noch) nicht bewiesen werden. Bekannt sind aber schmerzmindernde Körperhaltungen bei zu engen Schuhen und Ermüdung der Rückenmuskulatur beim Gehen und Stehen auf hohen Absätzen (mehr als ca. 4 cm).

Im funktionellen Sinn ist das Bett eine Fläche zur Unterstützung des Körpers, die während längerer Phasen vollständige Ruhe gewährleisten muss. Es besteht aus einer Kombination von Matratze, Rahmen und Bettgestell. Ein besonderer Fall ist das Wasserbett.

Man unterscheidet drei Matratzentypen: Polyäthylen, Schaumgummi und Matratzen mit Innenfederung. Schaumgummi ist verhältnismäßig schwer und belastet den Rücken beim Bettenmachen stärker. Polyäthylen ist preiswerter, neigt aber wegen Elastizitätsverlusten zur Muldenbildung.

Man unterscheidet mehrere Rahmentypen: Spiraldraht, geflochtener Stahldraht, Sprungfedern, Lattenrahmen (gerade Latten, leicht gewölbte Latten, gewölbte kippbare Latten), Hartfaserrahmen und schließlich den einfachen und preiswerten Holzrahmen (vorzugsweise 7 cm Abstand zwischen den einzelnen Brettern).

Viele Matratzen-Rahmen-Kombinationen sind möglich, jedoch sind nicht alle Kombinationen vorteilhaft. Eine gute Kombination bietet folgendes Bett:

• a Es erfasst die Körperrundungen
• b bleibt flach
• c bietet eine gute Federung
• d ventiliert gut
• e ist nicht zu warm oder zu kalt.

Bei a, b und c geht es um eine Körperunterstützung, die den Druck auf hervorstehende Skelett-Körperteile gleichmäßig verteilt. Dabei soll die Wirbelsäule in Seitenlage gerade bleiben und in Rückenlage die S-Form behalten. Patienten mit Muskelkontrakturen (z.B. Iliopsoaskontraktur = Hüftbeugerverkürzung) können nicht mit gestreckten Beinen in einem normalen Bett auf dem Rücken liegen, weil der Rücken dann lordotisch gewölbt wird. Sie wählen ein durchgelegenes Bett oder liegen auf der Seite.

Personen mit ,,krummem" Rücken, vor allem ältere Menschen, nehmen meist ein dickes Kopfkissen, um die Nackenstreckung zu vermeiden. Das Kopfkissen muss außerdem gut verformbar sein, da es sowohl Kopf als auch Nacken abstützen muss.